Home / AHA-Erlebnis / Ins Bockshorn jage ich mich selbst

Ins Bockshorn jage ich mich selbst

Posted on

Gestern Abend ging ich zu Bett, weil die Vernunft zu mir sagte: „Du hast schon 30 Minuten überzogen. Geh endlich zu Bett, sonst kommst Du morgen früh wieder kaum aus den Federn.“ Doch kaum lag ich im Bett, kreisten die Gedanken und ich wurde wacher und wacher. Nach 25 Minuten entschied ich aufzustehen und meine Fragen, die sich im Kopf ansammelten, Kreise drehten und allmählich zum „Was wäre wenn“ wurden, sofort zu klären.

Was war geschehen? Abends sitze ich gerne auf der Couch, meinen Kater schnurrend neben mir, den Laptop auf den hochgelegten Beinen. Dann arbeite ich an Texten oder Grafiken für NEWtraining. Heute hatte ich mich mit einem Text zur Präsentation eines Trainers beschäftigt. Ab und zu schaute ich mich dafür im Internet um und plötzlich war ich entsetzt. Da waren deutlich erkennbar Fotos aus einem meiner Foto- und Video-Shootings veröffentlicht.

Die Qualität gefiel mir nicht. Auf dem einen Bild fand ich auch den Hintergrund nicht schön gewählt. Ich wusste ganz genau, wann und wo die Fotos entstanden waren. War ich doch selbst diejenige gewesen, die das Shooting organisiert und finanziert hatte. Wir hatten wir viel Spaß und stellten Szenen aus dem Geschäftsleben sowohl in der Natur als auch mit Tieren nach. Denn X-Learning (wie Cross-Learning) steht für die Idee, dass wir aus Business-fremden Bereichen für das Business lernen.

Ich war so dankbar, dass meine Freunde sich als Models zur Verfügung gestellt hatten, dass ich jedem ein paar Fotos schenkte und ihnen auch per Mail den Kontakt zur Fotografin zuschickte. Jeder sollten die Möglichkeit haben, sich seine eigenen Fotos kaufen zu können. Denn so käme eine echte Win-Win-Situation für alle Beteiligten heraus. Die Fotografin könnte ein paar Euro zusätzlich verdienen und die Trainer bräuchten keinen zusätzlichen Aufwand in ein eigenes Shooting investieren.

Nun hatte ich also kurz vor dem Schlafen gehen diese Fotos entdeckt. In meinem Kopf lief ein Film ab: „Warum haben sie mich nicht gefragt? Ich hätte doch nicht abgelehnt, hätte es nur gerne gewußt. … Warum nehmen Sie Fotos von meinem Shooting und schneiden sie extra so zu, dass ich nicht zu sehen bin? … Wieso haben sie nicht mit der Fotografin Kontakt aufgenommen? … Wieso tun sie MIR das an? … Würde ich dasselbe tun? Niemals! … Und nun habe ich nicht mal einen Vertrag darüber abgeschlossen, wo man nachlesen kann, was erlaubt oder verboten ist. So ein Mist! Alles nur auf Vertrauensbasis. … Wie weit hat mich das nun gebracht? So weit, dass ich hier liege, nicht schlafen kann und nur dauernd wacher werde … es reicht! Nun stehst Du auf und schaust nach, ob sie tatsächlich Fotos von Dir verwendet haben!“ – Gedacht, getan. … Aufgestanden, PC eingeschaltet, Homepage geöffnet und die Bilder vom Fotoshooting durchgeblättert. „Wo sind die Fotos?!? Ich habe 687 Fotos durchgeschaut und keins gefunden, das zu den beiden passt? Haben sie echt eine Videoszene rausgeschnitten? Videos angeschaut – nichts. Nochmal von vorne und langsamer! Hier die erste Situation. Genau hier ist das Bild entstanden, hier muss es dabei sein. Nichts! – Kein einziges passendes Bild. Ich habe diese Fotos nicht. Ich wurde nicht weggeschnitten. Hmmmm ….. dann müssen die Trainer tatsächlich Kontakt zur Fotografin aufgenommen und diese Fotos von ihr gekauft haben.“ Ich holte mehrmals tief Luft und begann endlich mich zu entspannen.

Ich lehnte mich etwas zurück und schaute mir die betreffenden Fotos nochmal in „geistiger“ Ruhe an. Nun musste ich vor mir selbst zugeben: eigentlich hatte die Fotografin es geschafft auch auf diesen Bildern die beste Seite ihrer Fotomodels zu zeigen. Allmählich wurde mir klar, dass ich versucht hatte die Fotos abzuwerten, indem ich mir nur Gedanken über die Qualität oder den Bildhintergrund machte. „Was ist das denn!?! Ich mache die Fotos schlecht? Boah, das darf ich mir aber nicht anmerken lassen – schoss mir durch den Kopf.“ Und im selben Moment fühlte ich mich sehr peinlich berührt und merkte wie mir das Blut in den Kopf schoss. Dieses Gefühl wahrzunehmen und den hochroten Kopf zu spüren, das führte urplötzlich zu einem AHA-Erlebnis! Durch diese stille Selbstbeobachtung fiel mir der Zusammenhang auf, dass ich die Bilder schlecht mache, weil ich mich schlecht fühle. PUNKT.

Und nun musste ich an meine Ausbildung zum NLP-Master denken. Dieses Konstrukt „ich mache etwas schlecht, weil es mir schlecht geht“ habe ich schon oft erlebt – im Büro, mit dem Chef, mit den Kollegen, unter Freunden und Freundinnen oder auch in der Familie. Und nur ganz selten habe ich die Stille der Nacht um mich herum, um ungestört von äußeren Einflüssen meine Gedanken mit mir selbst zu diskutieren. Noch vor einem halben Jahr hätte ich die Fähigkeit zur Wahrnehmung dieses inneren Dialoges gar nicht gehabt. Erst durch meine Ausbildung zum NLP-Practioner und NLP-Master habe ich die Fähigkeit erlangt solche Muster zu beobachten, sie zu erkennen und Rückschlüsse daraus zu ziehen. Mein Rückschluss ist die Erkenntnis, dass ich mich immer noch am allerbesten selbst ins Bockshorn jagen kann.

Allein diese Erkenntnis gewonnen zu haben, bringt Entspannung in meine Kommunikation mit meinen Freunden. Wie wäre ich früher nach solch einer Nacht auf sie zugegangen? Wahrscheinlich hätte ich sie angemacht, was ihnen einfällt meine Fotos zu verwenden ohne mich zu fragen. Heute kann ich ganz entspannt die wunderschönen Fotos auf ihrer Homepage bewundern und nebenbei kann ich sie vielleicht fragen, ob sie die Fotos wohl bei unserer Fotografin gekauft haben. Denn die Antwort kenne ich ja längst.

 

Kennen Sie solche Situationen? Welche Strategien wenden Sie an? Wie gehen Sie vor? Überraschen Sie mich mit Ihren Lösungsmöglichkeiten.

 

Top