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99,9% sind Kommunikationsprobleme

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Eine Kollegin in der Kaffeküche: »Seien wir doch mal ehrlich. 99,9% der Probleme im Team haben ihre Ursache in Kommunikationsproblemen.« 100% der Anwesenden nicken. Das ist der Business-Alltag. Kollegen denken, der Schreibtisch-Nachbar wüsste bereits, was er wissen muss. Menschen glauben, jeder sehe die Welt mit ihren Augen, höre die Welt mit ihren Ohren oder verstehe in Besprechungen, was sie selbst verstanden haben. Dabei geht es NATÜRLICH um die Inhalte, um das Fachliche. Denn in IT-Branche und Industrie sind wir nicht emotional. Das gilt als schwach.

Das Thema Kommunikation habe ich im Blogartikel Haben Ihre Führungskräfte einen Wartungsplan? schon angerissen. Denn Kommunikation ist das zentrale Element in der Zusammenarbeit und zwar auf allen Ebenen! Es ist völlig egal, ob es die geflüsterte bis lautstarke Kommunikation des gesprochenen Wortes ist oder ob es sich um die stille, geschriebene Sprache einer E-Mail handelt. Auch die stumme Kommunikation der Körpersprache zeigt immer wieder: der Ton macht die Musik! Damit sind wir bei den Emotionen. Nicht die leisen Töne sind schwach. Nein, die lauten Töne zeigen Schwäche. Wenn ich meine Mitarbeiter anschreie, dann erkennen sie, dass mir etwas auf die Nerven geht. Hätte ich stärkere Nerven, müsste ich sie nicht anschreien, um mein Ziel zu erreichen. Doch sind es wirklich nur die Nerven? Ist es nicht eher so, dass ich mich unverstanden fühle? Dass ich glaube, wenn ich lauter werde, werden meine Aufträge besser und schneller ausgeführt?

»Wer immer dasselbe tut, muss sich nicht wundern, wenn immer dasselbe Ergebnis herauskommt.« Hassen Sie diesen Spruch auch? Wenn ich so richtig in der Sackgasse stecke und keinen Lösungsweg mehr erkenne, taucht dieser Satz plötzlich von irgendwoher auf. Mein Gedankenkarussell rattert los: »Was soll ich anders machen? Ich kenne keine anderen Wege! Manches ist halt so schwierig. Das kenne ich ja.« Und dann fällt mir Marion Madhavi Fritscher ein. Sag öfter mal »Ach was« und mach dabei eine wegwerfende Handbewegung. Ich muss schmunzeln, denn sie sagt meist dazu »Was wäre leichter?« Dank den bei NEWtraining durchgeführten Trainer-Testings habe ich Success Factor Modeling kennengelernt. Wäre es leichter, wenn ich es mit dem Modeling erfolgreicher Business-People versuche? Ja klar: Dr. Gudrun Reinschmidt! Sie zeigte mir, dass jeder Mensch die Welt durch seine persönlichen Filter wahrnimmt. Jeder Mensch hat seine eigene Reizschwelle und seine eigenen Wahrnehmungskanäle. Also hilft es gar nichts meine Kollegen mit demselben Satz nochmal zu traktieren.

  • Ich kann den Sachverhalt mit Beispielen konkretisieren, um die Aufgabe zu verdeutlichen.
  • Ich kann einen Übersetzer einsetzen, der meine Intention mit eigenen Worten vorstellt.
  • Ich kann einen künstlerisch Begabten meine Aufgabenstellung aufs Flipchart malen lassen.

In allen drei Fällen kann ich Einwürfe von der Seite vornehmen, um den Ball auf dem Spielfeld in die gewünschte Richtung zu dirigieren. Zumindest tue ich jetzt nicht mehr dasselbe wie immer.

Nochmal zu den Emotionen, die in der Kommunikation mitschwingen. Niemals sollte ich annehmen, auch wenn es eine unglückliche Formulierung vermuten lässt, dass ich persönlich angegriffen werden soll. Immer sollte ich zuerst vermuten, dass mein Teammitglied es nicht besser auszudrücken weiß. Denn ich bin die Vorgesetzte und ich habe die Kommunikationstrainings genossen. Die wichtigste Erkenntnis für den Umgang mit emotional gefährlichen Situationen gewann ich bei Detlef Lindner. Kurz gesagt, vermittelte er mir die Formel: »Erkenne Deinen Selbstwert. Nimm Deine starken und schwachen Seiten gleichermaßen an. Denn beide Seiten machen Dich zu dem, was Du heute bist.« Seit ich zunehmend meinen Selbstwert erkenne, kann ich meinen Teammitgliedern immer öfter starke Nerven bieten. Denn ich weiß: jeder Einwand, jede Frage, die zum Thema gestellt wird, dient dem Verständnis der Gruppe!

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